Literarisches:

Es gibt Texte in meinem Leben, die mich beim Lesen immer wieder neu überraschen, mich inspirieren und lebendig machen.

An einer kleinen Auswahl an Gedichten, deren Sprache und möglicher Sinngehalt mich beeindrucken, möchte ich Sie gerne teilhaben lassen.

Das Urheberrecht gestattet es, Gedichte von Schriftstellern im vollen Wortlaut wiederzugeben, wenn die Autoren vor mehr als 70 Jahren verstorben sind. Bei anderen muss ich mich mit einem kleinen Hinweis begnügen. Die Rechte der Autoren haben natürlich Vorrang.

Besonders gut gefallen mir zur Zeit einige Texte von Franz Kafka, Rainer Maria Rilke, Erich Fried, Wilhelm Willms, Hilde Domin, Rose Ausländer, Ingeborg Bachmann:

 

... die Herrlichkeit des Lebens

 

Es ist sehr gut denkbar,

dass die Herrlichkeit des Lebens um jeden

und immer in ihrer ganzen Fülle bereit liegt,

aber verhängt, in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit.

 

Aber sie liegt dort,

nicht feindselig, nicht widerwillig, nicht taub.

Ruft man sie mit dem richtigen Wort,

beim richtigen Namen, dann kommt sie.

 

Das ist das Wesen der Zauberei, die nicht schafft, sondern ruft.

 

Franz Kafka

(Tagebücher, 18.10.1921)

 

Du musst das Leben nicht verstehen

 

Du musst das Leben nicht verstehen,

dann wird es werden wie ein Fest.

Und lass dir jeden Tag geschehen

so wie ein Kind im Weitergehen

von jedem Wehen

sich viele Blüten schenken lässt.

 

Sie aufzusammeln und zu sparen,

das kommt dem Kind nicht in den Sinn.

Es löst sie leise aus den Haaren,

drin sie so gern gefangen waren,

und hält den lieben jungen Jahren

nach neuen seine Hände hin.

 

Rainer Maria Rilke

(Berlin-Willmersdorf – „Mir zur Feier“ 1898)

 

Vorfrühling

 

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung

an der Wiesen aufgedecktes Grau.

Kleine Wasser ändern die Betonung.

Zärtlichkeiten, ungenau,

 

greifen nach der Erde aus dem Raum.

Wege gehen weit ins Land und zeigens.

Unvermutet siehst du seines Steigens

Ausdruck in dem leeren Baum.

 

Rainer Maria Rilke

(im Muzot 20.02.1924)

Herbsttag

 

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,

und auf den Fluren lass die Winde los.

 

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;

gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,

dränge sie zur Vollendung hin und jage

die letzte Süße in den schweren Wein.

 

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,

wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben

und wird in den Alleen hin und her

unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

 

Rainer Maria Rilke

(Paris 21.9.1902)

 

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

 

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,

die sich über die Dinge ziehn.

Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,

aber versuchen will ich ihn.

 

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,

und ich kreise jahrtausendelang;

und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm

oder ein großer Gesang.

 

Rainer Maria Rilke

(Berlin-Schmargendorf, 20.9.1899)

 

Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden

 

Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,

in welchen meine Sinne sich vertiefen;

in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,

mein täglich Leben schon gelebt gefunden

und wie Legende weit und überwunden.

 

Aus ihnen kommt mir Wissen, dass ich Raum

zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.

Und manchmal bin ich wie der Baum,

der, reif und rauschend, über einem Grabe

den Traum erfüllt, den der vergangne Knabe

(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)

verlor in Traurigkeiten und Gesängen.

 

Rainer Maria Rilke

(Berlin-Schmargendorf,  22.9.1899)

 

Was es ist

Erich Fried

(1979)

Dich

Erich Fried

(1979)

Ohne Dich

Erich Fried

(1979)

Lob der Verzweiflung

Erich Fried

Was die Leute von ihm sagen

Wilhelm Willms

(um 1977)

Wussten Sie schon

Wilhelm Willms

(1977)

Welterobernde Zärtlichkeit

Wilhelm Willms

Nicht müde werden

Hilde Domin

(Heidelberg, 1962-1964)

Bitte

Hilde Domin

(Frankfurt-Astano/Tessin, 1957-1959)

Unaufhaltsam

Hilde Domin

(Heidelberg, 1962)

Lieder zur Ermutigung

Hilde Domin

(Heidelberg, 1961)

Abel steh auf

Hilde Domin

(1970)

Immer im Gespräch

Rose Ausländer

(um 1978)

Ja sagen

Rose Ausländer

(1976)

Nichts bleibt wie es ist

Rose Ausländer

(um 1964)

Traumsicher

Rose Ausländer

Wieder ein Morgen

Rose Ausländer

Wahrlich

Ingeborg Bachmann

(zw. 1964-1967)

Nach dieser Sinnflut

Ingeborg Bachmann

(zw. 1957-1961)

 

 

 

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