Störungen und ihre Bezeichnungen:

Möglicherweise haben Sie einen "Namen" für das, was Sie stört? Vielleicht ist auch so, dass Sie sich sagen: "Ich habe ..." oder ein Arzt oder Therapeut sagt über Sie: "Sie haben ..." Denkbar wäre auch, dass Ihr Arzt bereits eine Diagnosestellung vorgenommen und dem, was Sie belastet, einen Namen gegeben hat.

Nachfolgend finden Sie eine Auflistung von sogenannten "Störungen" oder "Krankheiten", die sich begleitend mit Psychotherapie behandeln lassen. Psychotherapie ersetzt keinesfalls einen Arztbesuch. Gut ist es vielmehr, wenn Sie Ihren Arzt darüber informieren und sie sich mit ihm beraten, wenn Sie eine psychotherapeutische Behandlung vornehmen wollen.

Eine Vielzahl von Erkrankungen bedarf zudem auch einer Voruntersuchung durch Ihren Arzt, damit körperliche Ursachen ausgeschlossen oder von Ihrem Arzt entsprechend behandelt werden können. Bei bestimmten Krankheitsformen, wie zum Beispiel bei Psychosen, ist in der akuten Phase eine begleitende Psychotherapie ambulant in der Regel nicht möglich.

Mit Psychotherapie behandelbar sind:

 

Ängste:

Viele Formen von Angsterkrankungen, Angststörungen, wie z.B.:

  • Angst vor Menschenmengen (Agoraphobie)
  • Angst vor öffentlichen Plätzen (Agoraphobie)
  • Angst vor dem allein Reisen (Agoraphobie)
  • Angst vor dem Reisen mit weiter Entfernung von zuhause (Agoraphobie)
  • Angst im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen (Sozialphobie)
  • Angst sich peinlich zu verhalten (Sozialphobie)
  • Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer Situation (spezifische Phobie)
  • Angst vor einem Tier, vor einer Naturgewalt, vor einem Fahrstuhl, vor einem Tunnel, vor einem Flugzeug, vor Höhe, vor Prüfungssituationen, vor dem Zahnarzt... (spezifische Phobien)
  • Angst, die abrupt und plötzlich beginnt, und sich nicht auf eine bestimmte Situation oder ein Objekt bezieht (Panikstörung)
  • Angst vor der Angst (generalisierte Angststörung)
  • Angst in Bezug auf alltägliche Ereignisse und Probleme (generalisierte Angststörung)
  • Angst in Verbindung mit einer anderen Erkrankung (gemischte Angststörungen)
  • Angstträume, Angstzustände, Angst vor dem Tod (Angstsyndrome)
  • Angst vor..? (Angstsyndrom)

 

Belastungsstörungen:
Reaktionen auf schwere Belastungen (Traumatisierungen) nach einem außergewöhnlichen psychischen oder physischen Erleben, wie zum Beispiel nach Unfall, Katastrophen, Krieg, Gewalterleben, Missbrauchssituationen, Vergewaltigungen:

  • anhaltende Erinnerungen
  • Nachhallerinnerungen (Flash-backs)
  • sich wiederholende Träume
  • innere Bedrängnis
  • Vermeidungsverhalten
  • Unfähigkeit, sich an die komplette Belastung zu erinnern
  • Schlafstörungen
  • Reizbarkeit
  • Wutausbrüche
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schreckhaftigkeit
  • erhöhte Wachheit

 

Konversionsstörungen:

Reaktionen auf belastende Ereignisse, Probleme oder unerfüllte Bedürfnisse:

  • Amnesie (Gedächtnisstörung) für vergangene Ereignisse oder Probleme
  • unerwartete Entfernung von Zuhause oder vom Arbeitsplatz oder von sozialen Aktivitäten
  • Verringerung oder Fehlen willkürlicher Bewegungen oder der Sprache
  • Trancezustände
  • Besessenheitszustände
  • Verlust der Bewegungsfähigkeit
  • krampfartige Bewegungen
  • Verlust von Hautempfindungen, Sehverlust, Hörverlust, Riechverlust
  • Vorbeiantworten
  • multiple Persönlichkeit

 

Neurasthenie:

Anhaltendes, quälendes Gefühl der Erschöpfung, quälende Müdigkeit und Schwäche:

  • Muskelschmerzen
  • Benommenheit
  • Spannungskopfschmerz
  • Schlafstörungen
  • Unfähigkeit, zu entspannen
  • Reizbarkeit

 

Essstörungen:

Verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körperschemas mit der Folge eines starken Untergewichts und einem starken Vermeidungsverhalten bezüglich der Nahrungsaufnahme oder auch die andauernde Beschäftigung mit dem Essen aus Gier oder aus Zwang:

  • Magersucht (Anorexia nervosa)
  • Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa)
  • Essattacken (binge-eating-disorder)
  • starkes Übergewicht (Adipositas)
  • sonstige Essstörungen (z. B. Pica)

 

Nichtorganische Schlafstörungen:

 

  • Einschlafstörungen
  • Durchschlafstörungen
  • schlechte Schlafqualität
  • übermäßige Schlafneigung
  • Schlafrhythmusstörungen
  • Schlafwandeln
  • nächtliche Angstschreie
  • Albträume
  • Angstträume

 

Persönlichkeitsstörungen:

Abweichende Verhaltensmuster, meist von Kindheit an, die sich in extremer Art und Weise in Kognition, Affektivität, Impulskontrolle, Bedürfnisbefriedigung und/oder in der Art des Umgangs mit anderen und/oder in der Handhabung zwischenmenschlicher Beziehungen äußern: ("Schuld daran ist immer nur der andere")

  • übertriebene Empfindlichkeit
  • Neigung, dauerhaft Groll zu hegen
  • ständiges Misstrauen
  • Streitsüchtigkeit
  • ständige Selbstbezogenheit
  • Beschäftigung mit Verschwörungen
  • emotionale Kühle
  • Distanziertheit
  • abgeflachte Affekte
  • Gleichgültigkeit
  • Indifferenziertheit
  • mangelndes Gespür für soziale Normen und Konventionen
  • herzloses Unbeteiligtsein
  • verantwortungslose Haltung
  • geringere Frustrationstoleranz
  • aggressives, gewalttätiges Verhalten
  • fehlendes Schuldbewusstsein
  • Unfähigkeit, aus negativer Erfahrung zu lernen
  • Neigung, andere zu beschuldigen
  • Wutausbrüche
  • unbeständige und launische Stimmung
  • anhaltende Gefühle von Leere
  • Handlungen mit Selbstbeschädigung
  • übertriebene Angst verlassen zu werden
  • theatralisches Auftreten
  • übertriebene Selbstdarstellung
  • leichte Beeinflussbarkeit
  • übermäßige Beschäftigung damit, attraktiv zu erscheinen
  • Egozentrik
  • Genusssucht
  • Perfektionismus
  • Pedanterie
  • Rigidität
  • ständige Anspannung und Besorgtheit
  • übertriebene Sorge, kritisiert oder abgelehnt zu werden

 

Depressionen:

Depressive Störungen, als einmalige Episode oder wiederkehrend:

  • depressive Stimmungen
  • Verlust an Interessen
  • Verlust an Freude
  • verminderter Antrieb
  • gesteigerte Anfechtbarkeit
  • Verlust des Selbstvertrauens
  • Verlust des Selbstwertgefühls
  • unbegründete Vorwürfe
  • unangemessene Schuldgefühle
  • wiederkehrende Gedanken an den Tod
  • suizidale Gedanken
  • Klagen über Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit
  • Klagen über Konzentrationsschwäche
  • Klagen über mangelndes Denkvermögen
  • Schlafstörungen
  • Appetitveränderungen
  • Libidoverlust
  • starke Gehemmtheit
  • starke Agiertheit

 

Zwangsstörungen:

Zwangsgedanken, Zwangsideen, Zwangsvorstellungen oder Zwangshandlungen:

  • eigene Gedanken oder Handlungen, die sich dauernd wiederholen
  • unangenehme, übertriebene, unsinnige Gedanken oder Handlungen
  • Zwangsgedanken (zum Beispiel: Aufforderungen etwas zu tun)
  • Grübelzwang (zum Beispiel: unangebrachte Schuldgedanken)
  • Zwangsrituale (zum Beispiel: Waschzwang)

 

Anpassungsstörungen:

Seelische Probleme, als Reaktionen auf psychosoziale Belastungen (krisenhafte Zustände) zum Beispiel bei schwerer Krankheit (Krebs...), Trauer, Todesfall, Trennung, Arbeitsplatzverlust, Streitigkeiten, Mobbing...

  • Ängste
  • Depression
  • Bedrücktheit
  • Besorgnis
  • Anspannung
  • Ärger
  • aggressives Verhalten
  • dissoziales Verhalten
  • Trauerreaktionen

 

Somatoforme Störungen:

Körperliche Erkrankungen mit seelischen Ursachen, funktionelle Krankheiten, die durch keine diagnostizierbare körperliche Ursache erklärt werden können:

  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Gefühl von Überblähung
  • schlechter Geschmack im Mund
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Atemlosigkeit
  • Brustschmerzen
  • Probleme im Bereich der Blase
  • Probleme im Genitalbereich
  • Schmerzen in den Gliedern
  • Kribbelgefühle
  • Hypochondrische Sorgen
  • Herzneurose
  • Magenneurose
  • Hyperventilation
  • anhaltende Schmerzstörungen

 

Sonstige neurotische Störungen:

Alle Störungen des Verhaltens, der Überzeugungen und Emotionen, die sich nicht körperlich begründen lassen.

  • Kulturspezifische Störungen
  • Psychosoziale Syndrome
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • realitätsferne Überzeugungen
  • emotionale Auffälligkeiten
  • das Gefühl "nicht richtig hier" zu sein
  • das Gefühl "entfernt" zu sein
  • das Gefühl, dass die eigenen Gefühle fremd seien
  • das Gefühl von Unwirklichkeit
  • das Gefühl, dass die Umgebung oder bestimmte Objekte fremd seien

 

Verhaltensstörungen und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend:

 

  • Hyperkinetische Störungen (ADS, ADHS)
  • Störungen des Sozialverhaltens
  • Störungen der Emotionen
  • Tickstörungen
  • Nichtorganisches Einnässen...
  • aggressives Verhalten
  • Angststörungen
  • autistisches Verhalten
  • Daumenlutschen
  • Geschwisterrivalität
  • Lügen
  • übermäßiger Medienkonsum
  • Nägelkauen
  • Schulprobleme
  • Selbstwertprobleme
  • Trauer
  • Haare ausreißen
  • etc.

 

Nichtorganische sexuelle Funktionsstörungen:

Fehlende Möglichkeit, eine sexuelle Beziehung so zu gestalten, wie sie erwünscht ist: 

  • Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen
  • mangelnde sexuelle Befriedigung
  • Versagen genitaler Reaktionen
  • Störungen in der Annäherungsphase
  • Störungen in der Erregungsphase
  • Störungen während des Höhepunkts
  • Störungen in der Entspannungsphase

 

Störungen der Sexualpräferenz:

Wiederholt auftretende intensive Impulse und Fantasien, die sich auf ungewöhnliche Gegenstände oder Aktivitäten beziehen:

  • Fetischismus
  • Voyeurismus
  • obszöne Telefonanrufe
  • etc.

 

 

 


Quelle: vgl. ICD-10 Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, Kapitel V Psychische Störungen und Störungen des Verhaltens