Kurzzeittherapie

Kurzzeittherapie geht von der Grundannahme aus, dass die Wirklichkeit, so wie wir sie wahrnehmen, in Wechselwirkung steht zwischen uns selbst als Beobachter, unserer jeweiligen Beobachtungsart und den Mitteln (Sprache, Mimik, Gestik), die wir verwenden, um die wahrgenommene Wirklichkeit zum Ausdruck zu bringen.

 

Es könne daher keine wahre (einzige, objektive) Wirklichkeit geben, sondern es gäbe so viele unterschiedliche Wirklichkeiten, wie es Wechselbeziehungen geben würde. Wie wir also auf eine subjektiv wahrgenommene Wirklichkeit (z.B. psychische Probleme) reagieren würden, hänge von unterschiedlichen individuellen Faktoren der eigenen Wahrnehmung ab.

 

Daraus abgeleitet ließe sich sagen, dass jede geistige Stabilität oder Instabilität, das Ergebnis einer Beziehung zwischen uns und dem, was wir erleben sei. „Jeder konstruiert die Wirklichkeit, die er dann erfährt.“

 

Diese Erkenntnis macht man sich in der Kurzzeittherapie wie folgt zunutze: Psychische Instabilität ist das Produkt einer dysfunktionalen Wahrnehmung und Reaktion in Konfrontation mit einer Wirklichkeit, die man sich selber konstruiert habe.

 

Der Lösungsansatz liege also darin, die eigene Wahrnehmung und das Verhalten genauestens zu analysieren, um Veränderungen möglich zu machen. Die Störung ließe sich also dann beseitigen, wenn es gelänge, die Wechselwirkung zwischen Wahrnehmung und Verhaltensreaktion durch eine Neuakzentuierung zu durchbrechen.

(Quelle: vgl. Paul Watzlawick, Kurzzeittherapie und Wirklichkeit)

 

Bewährt hat sich in der Therapie folgende Vorgehensweise:

  • Aufbau einer stabilen therapeutischen Beziehung
  • Aufmerksamkeit gegenüber dysfunktionaler Muster und Geschehnisse (Inkongruenzen) wie auch in Bezug auf die Ressourcen (Stärken)
  • Verhalten, Fähigkeiten, Werte, Identität und Sozietät fokussieren
  • Veränderungspotentiale ausloten (Was engt mich ein? – Was drückt mich nieder? – Worauf reagiere ich in negativer Weise? – Welche wiederkehrenden Muster sind mir bekannt? – Welche negativen Gefühle kenne ich aus bestimmten Situationen? …)
  • Ziele für die Veränderungsarbeit formulieren
  • Vergangenheitsarbeit (problemorientiert) und Zukunftsarbeit (lösungsorientiert) separat oder in Kombination durchführen und Ergebnisse festigen
  • Neues inneres Gleichgewicht stabilisieren
  • Zur Selbstständigkeit ermutigen (Therapieabschluss)

 

Die Kurzzeittherapie stellt eine effektive Methode dar, um Menschen aus einem Weg innerer Blockade hin zu innerer Stärke zu führen.

 

Kurzzeittherapie speist sich aus einer Kombination von Verhaltenstherapie (Skinner), Kognitiver Verhaltenstherapie (SORK-Schema), Rational-Emotionaler-Verhaltenstherapie (ABC-Ansatz), systemischer Therapie (Steve de Shazer et al.), psychodynamischer Therapieansätze (Freud, Adler, Jung et al.) und Hypnotherapie (Milton Erickson et al.).

 

Erweiterte Ansätze kommen aus dem Bereich der systemischen Aufstellungsarbeit (Virginia Satir et al.) und der Arbeit mit inneren Persönlichkeitsanteilen (Perls, Schwartz et al.)

 

Anschauungen und Techniken aus der Kurzzeittherapie liefern mir wichtige Elemente für meine therapeutische Arbeit. Ich schätze die Effektivität dieser Methode, wenngleich sie in nicht allen Teilen als wissenschaftlich anerkannt gilt.

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