Traumatherapie

in meiner Praxis für Psychotherapie und Psychologie im Saarland
Traumatherapie in der Praxis für Psychotherapie und Psychologie in Saarwellingen/Kreis Saarlouis/Saarland (CC0)

Thesen zu Ursachen und Entstehung von Traumata

 

Traumata werden heute in der Fachliteratur überwiegend klassifiziert nach Ursache, Frequenz und Erleben:

  • Ursachen

Bei der Ursache, den Auslösern unterscheidet man „Big-T-Traumata“, also apersonale Traumatisierungen, wie (Natur-)Katastrophen, Krieg, Terror, Unfälle, Schicksalsschläge, von „small-t-Traumata“, von personalen, von Menschen zugefügte Traumatisierungen „man-made“, wie z.B. Miss-handlungen, Gewalt, Vernachlässigung.

  • Frequenz

Die Frequenz, die Häufigkeit des Geschehens lässt sich wiederum einordnen in einmalige („one-single-blow“) Ereignisse (Typ-I-Trauma) und in sich wiederholende (Typ-II-Trauma).

  • Erleben

Man unterscheidet primäre Traumatisierungen („selbst erlebt“) von sekundären („Zeuge sein“) und tertiären („second-generation-syndrom“, „Kind eines Traumatisierten sein“). Zudem kann die Traumatisierung eines Einzelnen geschehen oder kollektiv („gemeinsam erlebt“) erfolgen.

Einig scheint man sich darin zu sein, dass sich personale Traumatisierungen am schlimmsten auswirken, vor allem wenn sie in der Kindheit geschehen.

 

Typische Verläufe einer Traumatisierung

 

Ein traumatisches Erleben muss nicht unbedingt zu einer Störung führen. Nicht selten gelingt es, in Abhängigkeit von Art und Weise des Ereignisses und in Abhängigkeit von der Art des Erlebens, ein solches normal zu verarbeiten durch ein Pendeln zwischen Konstriktion, Intrusion, darüber reden, sich ablenken und davon träumen. Je nach Schwere des Ereignisses und je nach persönlicher Konstitution, will dies aber nicht Jedem in dieser Art gelingen. Die Folgen können sehr vielfältig sein. Sie reichen von einer Krisensituation, möglicherweise auch einer akuten Notfallsituation, bis hin zu den typischen Erscheinungs-Formen der „Akuten Belastungsstörung“, der „Anpassungsstörung“, der „Posttraumatischen-“ oder „Chronischen Belastungsstörung“.

 

Wenn Verarbeitung und Integration durch Selbsthilfe und Aktivierung des sozialen Netzwerks, wie auch durch etwaige therapeutische Hilfe, nicht erfolgreich war, so besteht die Gefahr, dass sich eine Störung manifestiert. Somit kann sich aus der akuten Belastung heraus eine Anpassungsstörung oder eine posttraumatische Störung entwickeln. Ebenso besteht die Gefahr, dass sich unter bestimmten Umständen eine Belastungsstörung chronifiziert.

Trauma: Typischer Verlauf, schematische Darstellung Praxis für Psychotherapie und Psychologie in Saarwellingen/Kreis Saarlouis/Saarland
Trauma: Typischer Verlauf (Schematische Darstellung: Praxis für Psychotherapie und Psychologie in Saarwellingen/Kreis Saarlouis/Saarland)

Neurobiologische Erklärungsmodelle

 

„Was im Körper geschieht“

 

Neurophysiologische Veränderungen sorgen bei einem traumatischen Erlebnis für das Auslösen archaischer Notfallmuster, in deren Folge Körper und Geist in Alarmbereitschaft gesetzt werden, um möglichst schnell eine der drei Überlebensstrategien zur Anwendung zu bringen: Kampf, Flucht oder Erstarrung. Es sind Muster, die zu unserem evolutionären Erbe gehören und unweigerlich eine Stresssituation hinaufbeschwören, um schnelles Handeln zu ermöglichen. Was vorher möglich war, wie z.B. klares Denken, Empathie, altruistisches Handeln etc., ist dann nicht mehr möglich. Angst, Stress und Erregung schaukeln sich gegenseitig hoch. Stress sorgt für die erhöhte Ausschüttung von Kortisol, Adrenalin, Noradrenalin und Glukose. Dadurch steht dem Körper sofort Energie bereit. Blutdruck und Puls erhöhen sich. Muskel- und Gehirnaktivitäten steigen. Innere Organe, die der Nahrungsaufnahme und deren Verarbeitung dienen, wie auch das Immunsystem, werden augenblicklich in ihrer Aktivität zurückgefahren. Alles steht bereit für Flucht oder Kampf. Verschärft sich die Situation, tritt akuter Stress ein, werden körpereigene Opiate freigesetzt, die für eine Betäubung sorgen. Erstarrung, Betäubung, Eingefroren sein, sorgen für eine Art von „Totstellreflex“ („freeze“).

Wenn sich solche Erlebnisse wiederholen, steht der Körper unter Dauerstress, unter chronischem Stress, was wiederum dazu führt, dass neuronale Muster im Gehirn entstehen („Spuren im Gehirn“ – Gerald Hüther) und diese Abläufe sich festsetzen. Kleinere Bahnen, kleine Straßen werden dann bald zu Autobahnen, auf denen es sehr schnell zugeht, und die kaum noch verlassen werden können. Die Stresstoleranz sinkt, damit verliert sich auch die Fähigkeit, Gefühle angemessen zu kontrollieren, wie auch das Vermögen, sich selbst zu beruhigen.

 

„Wie das Gehirn reagiert“

 

In der traumatischen Stresssituation werden im Gehirn einlaufende Informationen nur noch nach einem bestimmten Muster abgehandelt. Die Sinneseindrücke in dieser Situation, also alles, was über die fünf körpereigenen Sinne wahrgenommen werden kann und über den Thalamus („Pförtner“) ins Gehirn gelangt, wird undifferenziert über den Hippocampus („flüchtiger Kurzzeitspeicher“) zur Amygdala (Mandelkerne) geleitet, die dann für die entsprechenden heftigen emotionalen Reaktionen (wie z.B.: Furcht, Angst, Entsetzen…) sorgt. Diese Gefühle werden sodann mit den damit verbunden Erfahrungen (Kampf, Flucht, Erstarrung) verknüpft, was für ein schnelles Lernen sorgt, damit ähnliche Situationen schneller erkannt werden können. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom „heißen Gedächtnis“ (hot memory).

 

Was die Natur ursprünglich gut eingerichtet hatte, und dem Überleben dient, kann allerdings im Traumafall zum Dilemma werden, weil keinerlei kognitive und sensorische Integration der Vorgänge im Neokortex erfolgen kann. Allem, was geschieht, fehlt die autobiographische Zuordnung des „kalten Gedächtnisses“ (cold memory). Die Informationen sind nicht wie im Normalfall miteinander vernetzt, sondern bilden einzelne „Inseln“. Dies hat zur Folge, dass Intrusionen „Insel-Informationen“ gleichen, die nur mit dem heißen (emotionalen) Gedächtnisses verknüpft werden, so dass sie lediglich als Gefühlszustand, Bild, Geruch oder Körperreaktion erinnert werden können. Was, wann, wo, wie etwas passiert und geschehen ist, und wie die Gefühle zuzuordnen sind, lässt sich dann nicht mehr zusammenbringen.

 

Wenn traumatische Erlebnisse nicht „integriert und lebensgeschichtlich eingeordnet werden können, bleiben sie ständig weiter aktiv, was zu Intrusionen und wiederholten negativen Affekten führt." (Clemens Hausmann)

 

Stress, Stressabläufe, Stresskette, Trauma, Traumafolgen; schematische Darstellung: Praxis für Psychotherapie und Psychologie in Saarwellingen/Kreis Saarlouis/Saarland
Stress, Stressabläufe, Stresskette, Trauma, Traumafolgen (Schematische Darstellung: Praxis für Psychotherapie und Psychologie in Saarwellingen/Kreis Saarlouis/Saarland)

Traumatherapie

 

Ich arbeite nach dem PITT-Verfahren nach Luise Reddemann, das in den vergangenen Jahren in der Traumatherapie immer mehr an Bedeutung zugewonnen hat, dem aber die wissenschaftliche Anerkennung im Sinne von Naturwissenschaft und Schulmedizin (noch) fehlt.

 

Dieses Verfahren will die natürlichen Selbstheilungskräfte des Menschen unterstützen und gezielt fördern. Es orientiert sich daher in erster Linie an den Bedürfnissen des Menschen nach Sicherheit, Geborgenheit, Halt, Kraft, Stärke, Wachstum, Kontrolle, Distanzierung, Symptomreduzierung und einer Verbesserung der Befindlichkeit. Es geht daher primär um Neubewertung, Umakzentuierung, Stabilisierung und sichere Bindungen.

 

Wer viel Leid erfahren hat, kann die Welt nicht mehr als Ganzes und das Leid als Teil des Lebens akzeptieren und erkennen. Diese Menschen scheinen gefangen zu sein im Leid und können die Polarität zwischen Freud/Leid nicht mehr als Ganzes und zusammengehörig erkennen.

 

Mit Hilfe von Ressourcen und der darin liegenden Fähigkeit zur Resilienz lassen sich die Wechselfälle des Lebens (Polaritäten) besser aushalten. Jeder Mensch hat das Recht im Leid (Polarität) zu verharren. Wer aber Hilfe sucht, will dies nicht! Resilienz heißt nicht Wohlgefühl, sondern Widerstandskraft, heißt geduldig an Veränderungen zu arbeiten, nicht aufzugeben, sich nicht einem Schicksal zu ergeben.

 

Es geht bei diesem Verfahren um die gezielte Nutzung all der Mechanismen, die der Betroffene ohnehin verwendet, mit dem Unterschied, dass er sie nun bewusst innerhalb einer sicheren Beziehung einsetzen kann. Die Dissoziation ist, nach Reddemann, zunächst zu bejahen, im Sinne einer Distanzierung von traumatischen, erst äußeren und später inneren Bildern. Das Bild der „inneren Bühne“ dient der Selbstentlastung und Distanzierung.

 

Wichtig sind daher:

• Psychologische Erklärungen

• Sichere therapeutische Beziehung

• Gemeinsame Vereinbarungen über Aufgaben und Ziele der

Therapie

• Förderung von Hoffnung

• Psychoedukation über PTBS

• Raum des Zuhörens und der Sicherheit

• Reviktimisierung (wieder zum Opfer werden) verhindern

• Benennung der Ressourcen

• Erlernen von Copingmechanismen (Bewältigungsmechanismen)

• Exposition

• Sinngebung für Erfahrung und Reaktion darauf

• Veränderungen dem Patienten zuschreiben

• Ermutigung

• Prävention

 

Es gilt, nach Reddemann, die Sache jedes Klienten mit Logik, seine Emotionen mit Psychologie, die Situation durch szenisches Verstehen und die Wünsche oder deren Abwehr durch tiefenpsychologische Zugänge zu verstehen. Jeder Mensch solle beidäugig gesehen werden, mit einem Auge für das Gesunde und einem Auge für das Andere in ihm.

 

(Quelle: vgl. Luise Reddemann, Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie PITT - Das Manual: Ein resilienzorientierter Ansatz in der Psychotraumatologie)

 

Die Methodik von L. Reddemann nutze ich gerne in Verbindung mit der Gesprächstherapie und mit der kognitiven Verhaltenstherapie in meiner Praxis für Psychotherapie im Saarland. Sie hilft oftmals, wieder einen stabilen und sicheren Weg zu den eigenen Gefühlen finden zu können.

 

Meine Praxis für Psychotherapie und Psychologie liegt verkehrsgünstig inmitten des Saarlandes, in Saarwellingen zwischen Saarlouis, Dillingen und Schmelz, Lebach. Sie ist über Autobahn und Landstraße gut zu erreichen. Aus Richtung Merzig, Trier, Luxemburg über A8, aus Richtung Völklingen, Saarbrücken über A620/A8.

 

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