Grundformen der Angst - Eine tiefenpsychologische Studie

Grundformen der Angst - Eine tiefenpsychologische Studie (Fritz Riemann)
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Grundformen der Angst - Eine tiefenpsychologische Studie (Fritz Riemann, München, 1961, 47. Auflage München 2022)

 

Es ist der Klassiker schlechthin in Sachen Angst. Fritz Riemann beschreibt aus tiefenpsychologischer, psychoanalytischer Sicht die Ursachen und Entstehung von Ängsten, ausgehend von vier Persönlichkeitstypen, die sich von Kindesbeinen an im Rahmen der Heranreifung in Bezug auf die Bindungsstrukturen bilden würden, und deren typischen Verhaltensweisen.

 

Die Persönlichkeiten hätten in ihren Hauptkategorien schizoide, depressive, zwanghafte oder hysterische Wesenszüge, die zu einem bestimmten Verhaltensmuster führen und eine entsprechende Grundangst provozieren würden, die sich in jeweils individueller Form und Ausprägung im Leben Betroffener zeigen würde.

 

Schizoide Persönlichkeitsstrukturen neigten dazu sich abzugrenzen, betonten die Autarkie und Unabhängigkeit im Leben sehr stark, weil der Impuls zur Selbstbewahrung und Ich-Abgrenzung existenziell für sie sei. Nähe und Bindung könne für diese Menschen eine Gefahr bedeuten, die mit einer entsprechenden Angstform beantwortet würde. (Angst vor Hingabe)

 

Depressive Persönlichkeitsstrukturen neigten dazu sich überstark zu binden, blockierten sich, wehrten sich gegen Eigenständigkeit und Autonomie, weil feste Bindung existenziell für sie sei. Bindungsverlust könne für diese Menschen eine Gefahr bedeuten, die mit einer entsprechenden Angstform beantwortet würde. (Angst vor der Selbstwerdung)

 

Zwanghafte Persönlichkeitsstrukturen neigten dazu Bindungen aus Angst vor Verlust (Todesangst), Vergänglichkeit oder Veränderung regelrecht derart festzumachen, dass auch nur kleinste Veränderung schier unmöglich gemacht würden bzw. ausgeschlossen werden könnten. (Angst vor Veränderung)

 

Hysterische Persönlichkeitsstrukturen neigten dazu risikoreiche Bindungsbezüge herzustellen, suchten nach Freiheit und Veränderungen, hätten eine starken Lustbezug, seien leidenschaftlich und fordernd. Die große Angst in ihrem Leben sei die Angst vor Endgültigkeit und Unausweichlichkeit, die Angst vor Notwendigkeiten und Begrenztheiten. (Angst vor der Notwendigkeit)

 

Allen seinen Untersuchungen und Unterscheidungen in Sachen Persönlichkeitstrukturen und deren Auswirkungen auf das Angstverhalten eines Menschen, liegen jeweils ausführliche Betrachtungen zugrunde zu den Themen Liebe (Bindungsfähigkeit), Aggression und lebensgeschichtlicher Hintergrund vor. Außerdem belegt er seine Thesen mit zahlreichen Beispielen aus seinem langjährigen Praxisleben als tiefenpsychologisch arbeitender Therapeut.

 

Absolute Leseempfehlung, da man sehr viel über sich selbst herauslesen kann. Verständlich und fesselnd geschrieben. Spannend für Betroffene wie auch für jeden anderen, weil Grundformen von Angst in jedem Menschen mehr oder weniger anzutreffen sind.

 

(Taschenbuch) 247 S.