Die Schattenseite des Mondes - Ein Leben mit Schizophrenie

Die Schattenseite des Mondes - Ein Leben mit Schizophrenie (Renate Klöppel) - Buchempfehlung der Praxis für Psychotherapie, Barbara Schlemmer, Dipl. Psychologin
Die Schattenseite des Mondes - Ein Leben mit Schizophrenie (CC0)

Die Schattenseite des Mondes - Ein Leben mit Schizophrenie (Renate Klöppel, Hamburg, 2007)

 

Die Seite des Lebens, die von der Sonne nicht beschienen wird, gelangt nicht so einfach ans Tageslicht. Sie bleibt weitgehend im Dunklen. Denn das Innenleben von Menschen mit Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis spielt sich weitgehend im Verborgenen ab. Symptome treten zwar zu Tage, aber deren Wurzeln im tiefsten Innern bleiben für Außenstehende unsichtbar.

 

Wenn die Welt im eigenen Inneren verrückt, wenn sie schief verläuft und aus der Spur gerät, ist das für Betroffene ein schwieriges Erleben. Oftmals begleitet von Ängsten, Zwangs- und Wahnvorstellungen, von schwierigen Gefühls- und Körperempfindungen, quälenden Gedankengängen und ähnlichem Erleben. Lediglich Symptomfetzen treten dann nach außen auf, so dass andere Menschen dadurch von dem erfahren, was sich anders darstellt als gewohnt.

 

Das Buch handelt von einer Betroffenen. Es schildert den Weg vom ersten Entstehen über den mehr als holprigen Weg des Gehens bis hin zum Arrangement mit dem Phänomen Schizophrenie. „Wie es anfing“, dem widmet die Autorin viele Seiten und ein ganzes Kapitel dieses Buches. Vielfach aus der Ich-Perspektive der Betroffenen, schildert sie in ehrlicher Sprache, wie es scheinbar wie aus dem Nichts über sie hereinbrach.

 

Schlimme Gedanken begleitet von ebensolchen Gefühlen lassen ihren Alltag aus der Bahn laufen. Sie scheinen alles in ihr beherrschen zu wollen, streuen Misstrauen, erzeugen Wutphantasien, verunsichern und erzeugen massive Ängste. Die eigene Wahrnehmung gerät ins Wanken. Kann man sich selbst noch trauen?

 

Mit Liebe, mit einem Geliebten wieder zurückfinden in die gemeinsame Welt? Ein wunderbarer Gedanke. Ob es geglückt war, lässt sich im Nachhinein nachlesen in diesem Buch. Liebe ist wunderschön und vermag auch Wunden zu heilen. Aber manchmal geht der Weg der Beschwernis dennoch weiter. Und ja, es können Phasen im Leben auftreten, in denen man es nicht mehr schafft, die Verantwortung für sein Leben weiter zu tragen.

 

Psychiatrie, Psychiatrieaufenthalte, sind mögliche Folgen. Kein Zuckerschlecken, wenn man sich dorthin begibt. Selbstaufgabe, vielleicht notwendigerweise, um eine Form von Hilfe zu erhalten, um einen Ausweg aus dem persönlichen Dilemma zu finden. Einsamkeit, absolute Einsamkeit, auf der Schattenseite des Mondes zu empfinden, ist keine schöne Erfahrung. Ob eine psychiatrische Einrichtung helfen kann, sie auf Immer loszuwerden?

 

Möglicherweise gibt es auch andere Wege. Dieses Buch beschreibt einen solchen Weg. Dies gibt Hoffnung und macht Mut, wenn Betroffene oder deren Angehörige nach Alternativen suchen. Psychiatrie muss nicht das letzte Wort sein.

 

Absolut lesenswert für alle, die sich angesprochen fühlen. Betroffenen und Begleitpersonen kann das Buch eine große Hilfe sein. Es ist in wunderbarer Sprache geschrieben. Vielen anderen könnte es helfen, Vorurteile gegenüber psychisch kranken Menschen abzubauen.

 

Die im Buch zunächst mit dem Pseudonym „Maria Jahn“ beschriebene Person wird im Nachwort mit ihrem Klarnamen aufgeführt. Sie ist inzwischen selbst Autorin eines Buches, betreibt eine eigene Homepage und ist aktiv im Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.

 

(Taschenbuch) 287 S.